Dienstag, 5. Mai 2009

Interview mit Dick Mol über das Buch "De Groote Wielen: er war eens ..."

DickMolAntonVerhagen

Autoren Dick Mol (links) und Anton Verhagen

Interview mit Dick Mol aus Hoofddorp, niederländischer Experte für fossile Säugetiere (vor allem Mammut) aus dem Eiszeitalter (Pleistozän) und Autor zahlreicher Bücher über prähistorische Themen: Zusammen mit Anton Verhagen veröffentlichte er das Werk "De Groote Wielen: er war eens ...". Dieser Band ist eine Art Monographie und befasst sich mit Säugetieren, Vögeln, Insekten, Vegetation, Altersdatierung mit der Radiocarbon-Methode bzw. C14-Methode. usw.

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Wielen

"Groote Wielen": Ein Eldorado für die Wissenschaft

Frage: Herr Mol, zusammen mit Anton Verhagen aus 's-Hertogenbosch haben Sie das Buch "De Groote Wielen: er was eens ..." veröffentlicht. Worum geht es in diesem ungewöhnlich reich bebilderten und großformatigen Prachtband?

Antwort: In der Nähe von 's-Hertgenbosch, in der Provinz Noord-Brabant, wird in den Auen der Maas ein neues Wohnviertel gebaut. Es werden 6.400 neue Häuser errichtet. Dafür brauchte man sehr viel Sand, etwa 5 Millionen Kubikmeter. Bohrungen haben angedeutet, dass es in der Nähe dieses Wohnviertels sehr gute Ablagerungen der Ur-Maas gibt. Eine dicke Sandschicht, die von der Maas über Tausende von Jahren abgelagert worden ist. Wir wissen aus der Geschichte der Maas, dass in deren Ablagerungen auch Überreste der Mammutfauna gefunden werden können. In verschiedenen Museen in den Niederlanden sind umfangreiche Sammlungen von Mammutknochen, und natürlich auch von anderen Tieren der Mammutsteppe, angehäuft. Da die Behörden bei der Genehmigung festgelegt haben, dass verschiedene Qualitäten von Sand separat gelagert werden sollen, musste man sehr genau die Ablagerungen fördern. Für die Paläontologie war das neu. Am Spülfeld weiß man dann ziemlich genau, aus welcher Tiefe der Sand und die verschiedene tierischen Überreste stammen. Fast fünf Jahre haben Anton Verhagen und ich an der Fundstelle "De Groote Wielen" gesammelt, die auch der Name des neuen Wohnviertels ist. Untersuchungen an den Knochen und andere Funden haben sehr interessante Ergebnisse erbracht. Diese haben wir jetzt in diesem Buch veröffentlicht.

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WeelenKiefer

Unterkiefer eines Cro-Magnon-Menschen von der Fundstelle "De Groote Wielen"

Frage: In Ihrem Buch kann man eine Reise durch die letzte Phase des Eiszeitalters (Pleistozän) vor etwa 100.000 bis 11.700 Jahren unternehmen. Welchen Tieren und Urmenschen begegnet man dabei?

Antwort: Wir haben fast die komplette Mammutfauna sichergestellt. Die Fauna, die wir von vielen Fundstellen in der nördlichen Hemisphäre kennen. Die Fauna, die zwischen 100.000 und 12.000 Jahren vor heute die kalte und trockene fast baumlose Grasssteppe bewohnt hat. Tiere wie das Wollhaar-Mammut, Wollhaar-Nashorn, Pferd, Steppenwisent, Riesenhirsch, Rentier, Löwe, Polarfuchs, Braunbär und auch Überreste von kleinen Tieren wie Polarhase.

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WeelenKinderFossil


Kinder mit 1,31 Meter langem Mammutknochen von der Fundstelle "De Groote Wielen"


Frage: Welche Tiere aus dem Eiszeitalter begeistern Sie am meisten?

Antwort: Eigentlich interessiere ich mir für die Gesamtfauna. Aber die Mammuts aus dem Früh-, Mittel- und Spätpleistozän interessieren mich am meisten. Die verschiedenen Mammutarten sagen soviel aus über die Umwelt aus dem gesamten Pleistozän.

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Frage: Wer hatte als Erster die Idee für dieses Buch?

Antwort: Die Idee kommt von uns beiden. Viele Jahre arbeiten Anton Verhagen und ich zusammen. Wir haben viele Tage im Feld verbracht. Wir waren sehr oft unterwegs in Europa und auch in Nordamerika. In einem Gespräch haben wir gesprochen über andere Bücher, die ich in Japan, Russland und Amerika veröffentlicht habe, um meine Ideen mit anderen zu teilen. Dann haben wir einander gesagt, wir sollen unsere Daten von "De Groote Wielen" mit anderen teilen.

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Frage: Wie haben Sie und Anton Verhagen sich kennen gelernt?

Antwort: Vor etwa 30 Jahren habe ich ihn in 's-Hertogenbosch besucht. Er war vor allem sehr aktiv in seiner Heimatregion und hat sich hauptsächlich interessiert für die Archäologie. Er hat viele Fundstellen in der Nähe von 's-Hertogenbosch, wo auch öfters Knochen vom Mammut gefunden wurden. Dann haben wir uns befreundet. Wir haben sehr viel zusammen gearbeitet und ab und zu etwas veröffentlicht.

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WeelenSkelett

Skelett eines Wildrindes von der Fundstelle "Groote Wielen"

Frage: An Ihren Büchern fällt auf, dass Sie immer eine erstaunliche Fülle von hochwertigen Abbildungen präsentieren. Wie viele Bilder (Fotos, Zeichnungen, Gemälde) sind in "De Groote Wielen" zu sehen?

Antwort: Ich veröffentliche gerne Originalarbeiten. Ich hänge sehr an Qualität. Ich habe sehr lange an den Untersuchungen gearbeitet und originale Resultate bekommen. Die sollen dann auch mit guten und Originalbildern publiziert werden. Da ich auch gerne und öfters mit qualifizierten Fotografen und Künstlern zusammenarbeite, war nicht viel nötig, ein gutes und vertrautes Team zusammenzustellen. Remie Bakker zum Beispiel hat unter meiner Leitung hervorragende Gemälde angefertigt.

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WeelenMammut

Gemälde eines Mammuts von Remie Baaker für das Titelbild des Buches "De Groote Wielen: er war eens"

Frage: Besondere optische Leckerbissen sind die Zeichnungen und Gemälde des niederländischen Künstlers Remie Bakker aus Rotterdam. Sie diese eigens für das Buch geschaffen oder bereits anderswo veröffentlicht worden?

Antwort: Ja, die Schwarzweiß-Zeichnungen und die farbigen Gemälde sind eigens für dieses Buch geschaffen worden. Das war viel Arbeit. Die Gemeinde und die Entwickler des neuen Wohnviertels haben uns dabei finanziell unterstutzt. Remie Bakker muss von seiner Arbeit leben und hat viele Stunden daran gearbeitet und immer wieder hatten wir Anmerkungen und mussten kleine Änderungen angebracht werden. Die Gemälde sind auch groß angelegt, etwa 110 x 80 cm. Leider ist das Buch nur im Format DIN A4 (21 x 29,7 cm) gedruckt!

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Frage: Können Natur- oder Kunstliebhaber Zeichnungen und Gemälde, die im Buch veröffentlicht sind, kaufen?

Antwort: Nein, die werden nicht verkauft. Remie Bakker ist ein professioneller Künstler und liebt die Massenproduktion nicht. Ich finde das gut. Man kann ihn natürlich immer fragen, ob er etwas originelles produziert. Siehe seine Arbeiten und seine Adresse auf http://www.manimalworks.com

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Frage: Wer ein Buch von Ihnen gelesen hat, möchte gerne wissen, welche Titel noch aus Ihrer Feder stammen. Bitte nennen Sie uns Bücher, auf deren Umschlag Ihr Name steht?

Antwort: Das sind viele Bücher. Ich möchte gerne auf Wikipedia hinweisen. Ich weiß nicht, wer Dick Mol dort untergebracht hat, aber es gibt dort eine kleine Auflistung einiger meiner Bücher.

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Frage: In den Medien werden Sie oft respektvoll als "Mammut-Experte", "Sir Mammoth" oder "Mister Mammoth" bezeichnet. Freuen Sie sich über diese Bezeichnungen?

Antwort: Ich investiere sehr viele Stunden pro Tag für die Paläontologie. Ich liebe das. Nicht nur im Labor, nicht nur im Feld, nicht nur in meiner Privatbibliothek und nicht nur in Sibirien oder auf der Nordsee. Ich liebe alle Stufen dieser Wissenschaft. Es bereitet mir und meiner Frau sehr viel Spaß und Vergnügen. Wir sind sehr viel unterwegs und reisen ist immer sehr angenehm.

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Frage: Anton Verhagen, geboren 1944, wird in dem Buch als Sammler paläontologischer und archäologischer Objekte bezeichnet. Was ist seine Spezialität?

Antwort: Anton ist schon in Frühpension. Er hat vor einigen Jahren ein sehr schönes und interessantes Museum gegründet und zwar bei 's-Hertgenbosch mit Funden aus seiner Heimat. Siehe: http://www.museumhertogsgemaal.nl - Dieses archäologisch-paläontologische Museum wird auch im Buch beschrieben. Es ist ein Museum mit vielen Funden aus dem Eiszeitalter und auch aus dem Holozän. Auch einige geschichtliche Objekte aus seiner Heimat kann man hier anschauen, und man bekommt immer eine sehr gute und begeisterte Führung.

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Frage: Viele Buchautoren sind nach dem Erscheinen ihres Werkes erschöpft und wollen erst mal eine Pause machen, bevor sie sich an ein neues Buchprojekt heranwagen. Wie ist es bei Ihnen?

Antwort: Nein, da fehlt mir die Zeit. Ich arbeite jetzt mit Professor Dr. Evangelia Tsoukala aus Thessaloniki in Griechenland, zusammen, um nächstes Jahr einen reich bebilderten Band herauszubringen mit den Ergebnissen unserer Ausgrabungen in der Sandgrube von Milia in West-Mazedonien. Darüber hinaus muss ich auch die wissenschaftlichen Daten von meinen Untersuchungen in renommierten Fachzeitschriften publizieren. Auch bin ich noch sehr beschäftigt mit der Organisation der 5. Mammutkonferenz, die 2010 in Le Puy-en-Velay in der Auvergne in Frankreich stattfinden wird.

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Frage: Das größte Lob für einen Autor ist, wenn möglichst viele Menschen sein Buch kaufen, lesen. Wo kann man das Buch "De Groote Wielen" erwerben?

Antwort: Beim DrukWare Verlag in Norg, Niederlande. Die Daten des Buches sind:

Anton Verhagen und Dick Mol: De Groote Wielen: er was eens ... Wie woonden er in De Groote Wielen in de ijstijd?
Drukware Verlag, 192 Seiten, 34,45 Euro, ISBN 978 90 78707 06 6

Die Adresse des Verlages findet man auf der Internetseite http://www.drukware.nl

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst, der unter anderem die Weblogs http://wissenschafts-news.blog.de und http://interview-weblog.blogspot.com betreibt

Dienstag, 31. März 2009

Was Kees von Hooijdonk an Säbelzahnkatzen begeistert

HooijdonkMegantereon

Kees van Hooijdonk mit einem Kiefer der Dolchzahnkatze Megantereon aus Senèze in Frankreich, der im Naturhistorischen Museum Basel aufbewahrt wird

Interview mit Kees van Hooijdonk aus Rucphen, niederländischer Experte für fossile Säugetiere aus dem Eiszeitalter, über Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen

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Frage: Herr van Hooijdonk, Sie suchen, sammeln und erforschen sehr erfolgreich Reste fossiler Säugetiere aus dem Eiszeitalter (etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre). Wie, wann und wo haben Sie sich für dieses interessante Hobby begeistert?

Antwort: Mein Interesse an Fossilien ist bereits in meinen Jugendjahren aufgetreten, und zwar bei einem Spaziergang im Wald bei La Roche in den Belgischen Ardennen. Dabei habe ich in einer Felsenpartie im Wald, Hunderte von Metern über der Ourthe, fossile Schnecken gefunden. Ich war so fasziniert von dieser unerwarteten Entdeckung, dass ich anfing Bücher über Fossilien zu lesen. Von diesem Moment an habe ich mit dem Fossiliensammeln begonnen. Außerdem wurde ich Mitglied der niederländischen Geologischen Gesellschaft. Zunächst habe ich alle möglichen Fossilien gesammelt, aber einige Jahren später habe ich mich mehr und mehr auf Fossilien von Säugetieren aus dem Eiszeitalter (Pleistozän) spezialisiert, vor allem auf Katzen (Felidae).

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SaebelCover

Prachtband über Säbelzahnkatzen, an dem Kees van Hooijdonk mitgearbeitet hat

Frage: Zusammen mit Dick Mol, Wilrie van Logchem und Remie Bakker haben Sie die Prachtbände „De Sabeltandtijger uit de Noordzee“ (2007) in niederländischer Sprache und „The Saber-toothed Cat of the Nord Sea“ (2008) in englischer Sprache veröffentlicht, die nach meiner Ansicht zu den besten Büchern über Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen gehören. Was begeistert Sie an diesen Raubkatzen?

Antwort: Ich glaube, dass sehr viele Menschen beeindruckt sind von der Kraft und Eleganz der Felidae. Sogar die Jagd einer Hauskatze auf dem Hinterhof bietet ein faszinierendes Schauspiel. Mein Interesse an der Säbelzahnkatze Homotherium ist entstanden, als ich vor etwa 10 Jahren einige Fossilien von dieser Raubkatze gefunden habe. Es ist vor allem die spezielle Anatomie, die mich interessiert. Aber auch die Seltenheit und die Exklusivität der Homotherium-Fossilien haben eine wichtige Rolle gespielt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich mit dieser Tiergattung intensiver befasst, eine Reihe von interessanten Touren unternommen und Kontakte gepflegt.

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Frage: Seit einigen Jahren spricht man nicht nur von Säbelzahnkatzen, sondern auch von Dolchzahnkatzen. Können Sie den Unterschied zwischen diesen Raubkatzen kurz erklären?

Antwort: In der englischen Sprache unterscheidet man zwei Formen von Säbelzahnkatzen: nämlich Scimitar Cat (Krummsäbelzahn) und Dirktoothed Cat (Dolchzahn), je nach den spezifischen Eigenschaften der oberen Eckzähne. Säbelzahnkatzen des Stammes Homotheriini gehören zu den Scimitar Cats, weil die oberen Eckzähne einem Krummsäbel (Scimitar) gleichen. Diese Eckzähne sind stark gebogen, breit und sehr abgeflacht, mit feiner Zähnelung an den Schnittflächen. Sabelzahnkatzen des Stammes Smilodontini gehören zu den Dirktoothed Cats.

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Frage: In der Literatur heißt es, manche Säbelzahnkatzen oder Dolchzahnkatzen seien so groß wie ein heutiger Löwe oder sogar wie ein jetziger Sibirischer Tiger gewesen, der als größte Raubkatze der Gegenwart gilt. Wer war die größte Säbelzahnkatze und wer die größte Dolchzahnkatze?

Antwort: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Das liegt daran, dass Fossilien von Säbelzahnkatzen immer sehr selten vorkommen. Vollständige Skelette sind noch viel seltener. Viele Informationen über Größe und Gewicht der Säbelzahnkatzen sind deshalb nur durch Interpretationen zu bekommen. Eine große Säbelzahnkatze wird oft mit der Größe eines Löwen verglichen, während die nächst kleinere Art mit dem Panther verglichen wird.
Doch dieser Vergleich ist nicht ganz zufällig, denn viele Faunen (oder Biotope) haben eine ähnliche Zusammensetzung: der heutige Löwe und Leopard leben in der Serengeti, der jetzige Tiger und Leopard in Ost-Asien, die ausgestorbenen Gattungen Homotherium und Megantereon (z. B. Senèze) in Frankreich), die fossilen Gattungen Smilodon und Homotherium in Amerika.
Aber wenn man eine Gattung nennen sollte, dann sollte es vielleicht die südamerikanische Dolchzahnkatze (Dirktoothed Cat) Smilodon populator sein, die mit einer Schulterhöhe von 120 Zentimetern noch größer war als ihr nordamerikanischer Verwandter Smilodon fatalis, vom der sehr viele Fossilien gefunden wurden in den Teerlöchern („tar pits“) der Fundstelle Rancho La Brea mitten in der kalifornischen Großstadt Los Angeles.

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Frage: In Kino- und Fernsehfilmen tragen Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen riesige furchterregende Eckzähne (Fangzähne). Welche Säbelzahnkatze oder Dolchzahnkatze besaß die größten Eckzähne?

Antwort: Die Dolchzahnkatze Smilodon populator hatte die längsten Eckzähne: nämlich sage und schreibe 30 Zentimeter.

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Frage: In Büchern, Zeitschriften und im Internet findet man über Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen sehr unterschiedliche Informationen über deren Lebensweise. Sind diese Raubkatzen nach Ihrer Ansicht faule Aasfresser oder tüchtige Jäger gewesen?

Antwort: Ich glaube, dass die Säbelzahnkatzen flinke Jäger waren, wie die heutige Katze. Das sieht man auch am Gebiss. Aber die Jagd auf Beutetiere erfordert sehr viel Energie und ich bin der Meinung, dass die Säbelzahnkatzen versuchten, anderen Raubtieren die Beute abzunehmen, wenn sich die Gelegenheit bot. Auch heute sieht man das bei manchen Raubtieren. In Zeiten der Knappheit könnten Säbelzahnkatzen auch Aas gefressen haben. In Rancho La Brea (USA) sieht man, dass Säbelzahnkatzen zu Teergruben gekommen sind, um dort leicht an Beutetiere zu gelangen, die im Teer gefangen waren. Das zeigt, dass Säbelzahnkatzen versucht haben, mit minimaler Arbeit Beute zu bekommen.

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Frage: Säbelzahnkatzen und Dolchzahnkatzen werden sowohl als Einzelgänger als auch als Rudeltiere geschildert. Was meinen Sie dazu?

Antwort: Es wird oft gesagt, dass Säbelzahnkatzen in Gruppen jagten, aber dafür liegen keine eindeutigen Beweise vor. In der Friesenhahn-Höhle bei San Antonio in Texas (USA) sind Fossilien von mehreren Säbelzahnkatzen der Gattung Homotherium gefunden worden. Doch diese stammen entweder von alten oder sehr jungen Tieren. Vielleicht war dort eine Art von „Nest“ und es ist normal, dass die Jungen die ersten Monate mit ihren Eltern verbringen. In Rancho La Brea wiederum sind sehr viele Fossilien der Dolchzahnkatze Smilodon entdeckt worden. Viele dieser Fossilien tragen Spuren einer Krankheit oder sogar Lahmheit, was belegt, dass es unwahrscheinlich ist, dass diese Tiere selbst aktiv gejagt haben. Dass Krankheiten oder Verletzungen verheilt sind, belegt, dass kranke oder verletzte Dolchzahnkatzen von ihrer Gruppe unterstützt oder dass sie beim Fressen an der Beute geduldet wurden. Aber man muss vorsichtig sein mit solchen Schlussfolgerungen: Beim heutigen Katzen gibt es auch Ausnahmen: Die meisten Katzen leben als Einzelgänger, aber Löwen sind echte Rudeltiere.

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Frage: In einem sehr interessanten Beitrag für die renommierte niederländische Fachzeitschrift „Cranium“ befassten Sie sich mit der Säbelzahnkatze Homotherium und der Dolchzahnkatze Megantereon aus Senèze im französischen Departement Haute Loire. Können Sie diese beiden Raubkatzen kurz beschreiben?

Antwort: Mit einer Schulterhöhe von etwa 95 Zentimetern war Homotherium die größere von diesen beiden Raubkatzen. Wenn man Skelette dieser beiden Tiere miteinander vergleicht, dann seht man sofort, dass Homotherium eine große, schlanke Katze war, deren Vorderbeine länger waren als die Hinterbeine, was Homotherium ein Ausehen wie eine Hyäne gab. Homotherium konnte sogar ein junges Mammut töten.
Megantereon dagegen war eine große, robuste Katze mit einer Schulterhöhe von ca. 70 Zentimetern ähnlich wie ein heutiger Jaguar. Mit seinen extrem starken Vorderbeinen war er in der Lage, große Beutetiere, wie ein Pferd oder einen Hirsch, auf den Boden zu werfen und zu töten.
Auch das Gebiss beider Katzen weicht stark voneinander ab. Die Eckzähne von Homotherium sind stark gebogen, breit und sehr abgeflacht, mit feiner Zähnelung an Schnittflächen. Auch der Rest des Gebisses hatte eine sehr starke Zähnelung und zwar an Schnittflachen der Schneidezähne und Backenzähne.
Das Gebiss von Megantereon war minder kräftig und die oberen Eckzähne waren schmäler und ohne Zähnelung.

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Frage: Aus ihren Publikationen geht hervor, dass Sie auch Fundstellen und Museen im Ausland besuchen. An welche Besuche erinnern Sie sich besonders gerne?

Antwort: Ich hatte die Möglichkeit, Besuche zu machen an der Universität Claude Bernard in Lyon (Frankreich), wo das Skelett eines Homotherium von Senèze aufbewahrt wird und im Naturhistorischen Museum von Lyon, wo sich eine große Sammlung von Raubtier-Fossilien befindet. Auch habe ich das Naturhistorische Museum in Basel besucht, wo man das Skelett eines Megantereon zeigt. 2006 habe ich die Ausgrabung bei Senèze besucht, wo man die Skelette beider Säbelzahnkatzen entdeckt hatte. Dort habe ich auch die Familie Phillis besucht, deren Vater Pierre beide Säbelzahnkatzen gefunden hatte, und viele interessante Fotos gesehen. Alle Besuche waren besondere Erlebnisse.
Auch in Deutschland habe ich Museen besucht – und zwar in Darmstadt und Wiesbaden –sowie die weltberühmte Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt bewundert. Mit Freude erinnere ich mich an Thomas Keller und Anne Sander von der Abteilung Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege im Schloss Biebrich in Wiesbaden, für ihre sehr angenehme und freundliche Unterstützung bei einer Exkursion unseres Vereins.

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Frage: Immer wieder erregen Funde eiszeitalterlicher Säugetiere, die von Fischkuttern und Muschelkuttern vom Nordseegrund ans Tageslicht geholt werden, großes Aufsehen. Sind Sie an der Jagd nach solchen fossilen Schätzen aus dem ehemaligen „Nordseeland“ beteiligt?

Antwort: Ja und nein. Es ist wichtig, Kontakte mit Fischern zu haben und zu sehen, was sie an Fossilien mitgebracht haben. Deshalb bin ich manchmal an Bord von Fischkuttern. Oft nur mit einer Kamera. Und manchmal bekomme ich ein schönes Fossil. Später versuche ich, das Fossil zu tauschen für ein Höhlenlöwen-Fossil oder ähnliches. Aber es ist nicht so, dass ich – wie andere – Fossilien kaufe, um mit ihnen zu handeln.

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Frage: Besitzen Sie eine umfangreiche Fossiliensammlung und – wenn ja – auf welche Funde sind Sie besonders stolz?

Antwort: Ich habe in den letzten Jahren eine schöne Fossiliensammlung von verschiedenen Fundstellen zusammengetragen. Die schönsten Stücke meiner Sammlung sind Fossilien aus dem Pliozän (etwa 5,3 bis 2, Millionen Jahre) und Pleistozän (etwa 2,6 bis 11.700 Jahre) aus der Nordsee. Darunter sind Fossilien von Hirschen, Wildpferden, Rüsseltieren (Mammuthus meridionalis, Mastodont), der Säbelzahnkatze Homotherium und des Europäischen Jaguars Panthera onca gombaszoegensis.
Alle meine Fossilien sind besonders, aber die Homotherium-Fossilien sind doch eine Spezialität, denn diese waren der Grund für viele meine Reisen und zahlreiche Kontakte in aller Welt.
Aber ich betrachte diese Sammlung nur als Leihgabe. Später möchte ich alles einem Museum vermachen.

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HooijdonkFossilienfundstelle

Kees van Hooijdonk an der Fundstelle Chilhac in Frankreich, wo Fossilien von Säbelzahnkatzen entdeckt wurden

Frage: In vielen Bundesländern Deutschlands ist im Laufe der Zeit das Suchen und Bergen von Fossilien verboten worden. Ist dieses Hobby in den Niederlanden noch erlaubt?

Antwort: Ja, dieses Hobby ist in den Niederlanden noch erlaubt, aber reguliert. Das bedeutet, dass man Fossilien von Fischern bekommen kann oder am Strand suchen darf. Aber man kann nicht in eine Grube gehen und dort mit dem Graben anfangen. Auch auf Plätzen, die unter Naturschutz stehen, darf man nicht graben. Das ist selbstverständlich. Es ist in die Niederlanden auch so, dass archäologische Funden gemeldet werden müssen.

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Frage: Was halten Sie davon, dass in manchen Ländern das Suchen und Bergen von Fossilien durch Privatpersonen strengstens verboten ist?

Antwort: Das hängt davon ab, was der Grund ist: Wenn es auf Grund des Naturschutzes ist oder auf Grund der Sicherheit, dann ist ein solches Verbot verständlich. Aber ein völliges Verbot ist dann nicht nötig.
Manchmal hört man, dass gewisse Wissenschaftler einen Anspruch auf gefundene Fossilien geltend machen. Sie bewahren die Fossilien in Museen und Laboratorien für die Forschung auf. Forschung ist gut, aber das Sammeln von Fossilien durch Erwachsene und Kinder bringt auch Interesse für die Natur mit sich, und das ist genau so wichtig, vor allem für die Kinder, denn sie sind die Zukunft. Aber Sammeln sollte nicht zum Raub fuhren oder für Kommerz benutzt werden. Es sollte aus guten Gründen geschehen, und das gilt für Wissenschaftler und für Privatpersonen.

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Frage: Werden Sie von Verwandten, Freunden und Bekannten beim Suchen und Erforschen von Fossilien unterstützt?

Antwort: Ja, wie vorher gesagt, habe ich in allen Museen und Universitäten immer gute Unterstützung bekommen. Und natürlich erhalte ich viel Unterstützung in unserem Verein der pleistozänen Säugetiere. Insbesondere Dick Mol (den Sie auch interviewt haben) und Klaas Post erwähne ich, weil beide eine sehr anregenden Einfluss auf mich haben. Und nicht zuletzt nenne ich meine Familie, weil sie mir die Möglichkeit geboten hat, mein Hobby zu betreiben.

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Sabeltandkatten

Webseite über Säbelzahnkatzen von Kees van Hooijdonk

Frage: Sicherlich möchten viele Leser und Leserinnen dieses Interviews gerne noch mehr über Sie erfahren. Betreiben Sie eine Internetseite, wo man etwas über Sie und Ihre Arbeit nachlesen kann?

Antwort: Ich habe eine Internetseite über das Eiszeitalter und Eiszeittiere: http://www.ijstijd.net - Dort gibt es auch eine Webseite über Säbelzahnkatzen unter der Adresse http://www.ijstijd.net/sabeltandkatten/index.html

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Frage: Wenn Ihnen eine gute Fee einige Wünsche erfüllen könnte, was würden Sie sich von ihr wünschen?

Antwort: Ich glaube nicht so an gute Feen. Aber einen Wunsch habe ich doch: Allen Sammlern und allen Forschern von Fossilien wünsche ich viele schöne Funde und lehrreiche und entspannende Stunden im Feld! Wir alle haben ein sehr schönes Hobby.

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, Betreiber des Weblogs http://wissenschafts-news.blog.de und Autor der Taschenbücher „Rekorde der Urzeit“, „Der Ur-Rhein. Rheinhessen vor zehn Millionen Jahren“ und „Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter“

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Weblinks zum Thema:

Buch "De Sabeltandtijger uit de Noordzee" (Niederländisch)
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=nl

Buch "The Saber-toothed Cat of the North Sea" (Englisch)
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=en

Publikation von Kees van Hoojdonk: De Sabeltandkatten Homotherium en Megantereon (Felidae, Carnivora)
van de Plio-Pleis to cene site van Senèze (Haute Loire, Fr.)
http://www.ijstijd.net/cranium.pdf

Donnerstag, 26. Februar 2009

Interview mit Dr. Jens Sommer über den Ur-Rhein

Interview mit dem Geologen und Paläontologen Dr. Jens Sommer, Autor der Doktorarbeit „Sedimentologe, Taphonomie und Paläoökologie der miozänen Dinotheriensande von Eppelsheim/Rheinhessen“ (2007)

JensSommer

Jens Sommer bei Schlämmarbeiten in Eppelsheim. Foto: Privat

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Frage: Herr Dr. Sommer, Ihre Doktorarbeit über die rund zehn Millionen Jahre alten Ablagerungen des Ur-Rheins bei Eppelsheim, die so genannten Dinotheriensande, spiegelt den neuesten Wissensstand hierüber wieder. Wie und wann kamen Sie auf die Idee, sich diesem Thema zu widmen?

Antwort: Mein Interesse galt schon immer den tertiären Säugetieren. Als Student der Geologie/Paläontologie absolvierte ich im Jahr 2000 mein Praktikum an der Grabungsstelle bei Eppelsheim unter der Leitung von Dr. Jens Lorenz Franzen. Während dieser Zeit gelang mir ein bedeutender Fund, worauf mich Dr. Franzen bat, doch über eine Doktorarbeit über die "Dinotheriensande" nachzudenken. Im Jahre 2001 verbrachte ich meinen Urlaub als Grabungshelfer an der Grabungsstelle bei Eppelsheim wo ich Dr. Ottmar Kullmer vom Forschungsinstitut Senckenberg kennen lernte. Auch er legte mir diesen Vorschlag nahe. Unter seiner Betreuung begann ich mit meiner Arbeit am 6. Januar 2002.

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Frage: Die Dinotheriensande heißen so, weil sie Zähne und Knochen des bis zu 3,60 Meter hohen Rüsseltieres Dinotherium giganteum enthalten. Ist dieser Begriff heute noch berechtigt?

Antwort: Wie heute waren die Dinotherien auch früher schon äußerst interessante und ungewöhnliche Tiere. Die Ablagerungen, in denen sie gefunden wurden, hat man verständlicherweise nach ihnen benannt. Da Funde von Pferden (früher Hipparion, heute Hippotherium) in den Dinotheriensanden recht häufig sind, wurde früher auch erwogen, die Ablagerungen „Hipparionsande“ zu bezeichnen. Auch die Bezeichnung „Eppelsheimer Sande“ wurde schon früher diskutiert. Heute werden diese berühmten Ablagerungen als „Eppelsheimer Formation“ deklariert.

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Frage: Bei der Lektüre Ihrer Doktorarbeit über die Dinotheriensande fällt einem bald auf, dass damit ein ungeheuer großer Arbeitsaufwand verbunden war. Welche Aktivitäten haben Sie am meisten Zeit gekostet?

Antwort: Der zeitliche Rahmen dieser Doktorarbeit erstreckte sich vom 6. 1. 2002 bis zur Prüfung am 5. 9. 2007. Die praktische Datenaufnahme habe ich im Frühjahr 2006 beendet und mich dann der schriftlichen Arbeit gewidmet. Für die 10.165 Gerölle, die ich bestimmt und vermessen habe, brauchte ich im Sommer 2003 an der Grabungsstelle "nur" 3 Wochen. Den größten Arbeitsaufwand benötigte ich für die 9.483 fossilen Wirbeltierfragmente aus den Dinotheriensanden in Rheinhessen und die sedimentologischen Profilaufnahmen an der Grabungsstelle bei Eppelsheim. Für die einzelnen fossilen Wirbeltierfragmente in den historischen Sammlungen und der aktuellen Grabung in Eppelsheim wurden wenn möglich folgende Daten ermittelt: Inventarnummer, Fundbestimmung, Fundort, Fundmenge, Abkauungsgrad der Zähne, Abrollungsgrad, Bruchmuster, Mindestanzahl von Individuen und ihr Altersspektrum, Oberflächenmarken und Fundfarbe. Mit den Daten der Gerölle ergibt dies über 100.000 Messdaten.

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Ur-RheinAusgrabungen

Wissenschaftliche Grabungen bei Eppelsheim im Herbst 2008. Foto: Ernst Probst

Frage: Sie haben an wissenschaftlichen Grabungen bei Eppelsheim (Kreis Alzey-Worms) in Rheinhessen teilgenommen. Ist Ihnen dabei ein wichtiger Fund geglückt?

Antwort: Ja, am Morgen meines dritten Praktikumstages habe ich im Grobsieb an der Schlämmanlage ein kleines Fragment eines Unterkiefers mit einem Zahn gefunden. Die fertig geschlämmte Probe wurde zum Trocknen auf einer großen Folie verteilt und bis zum Abend von mir mit einer Lupe und einem kleinen Pinsel durchgesehen. Dabei fand ich zwei weitere kleine Unterkieferbruchstücke und einen weiteren Zahn, welche alle zu einem Fragment zusammen passten. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein Unterkieferfragment eines Kleinsäugers (Plesiosorex roosi). Dies war der erste Kleinsäugerfund in den Dinotheriensanden überhaupt. Kleinsäugerfunde sind sehr wichtig, da sie einen sehr schnellen Generationswechsel haben und somit für die zeitliche Einordnung der Fundstelle sehr wichtig sind. Nebenbei fand ich in dieser durchgesehenen Probe noch ein Schildkrötenfragment (Trionyx sp.) und, wie sich erst später herausstellte, erstmalig einen Fund eines Maulwurfes (Talpa vallesensis) in Form eines Humerus (Oberarmknochen). Bedingt durch ihre grabende Tätigkeit sind diese Oberarmknochen besonders kräftig im Knochenbau.

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Frage: Hat man bei den Grabungen in Eppelsheim neue Erkenntnisse über den Urrhein gewonnen?

Antwort: Bisher hatte man immer spekuliert, wie es zu dieser Anhäufung von Wirbeltierresten kam. Bei meinen Forschungen zeigte sich, dass die fossilen Skelettreste größtenteils zerbrochen waren. Da sie in einem Flusslauf abgelagert wurden, habe ich sie auf Abrollungsspuren untersucht. Auch dies bestätigte sich. Bedingt durch meine praktische Grabungsarbeit bei Eppelsheim in den Jahren 2000 bis 2005 hatte sich gezeigt, dass alle Funde in den Dinotheriensanden nicht im Skelettverband gemacht wurden. Überwiegend waren die Funde einzeln abgelagert worden, ausgenommen im Strömungsschatten größerer Objekte, wie der große Kalkklotz im Grabungsbereich von Eppelsheim, wo die Wirbeltierreste gehäuft und durchmischt aber nicht im Skelettverband abgelagert wurden. Auch habe ich alle Funde aus allen bekannten Fundlokalitäten in Rheinhessen in den historischen Sammlungen verglichen und herausgefunden, dass sie vom Erhaltungszustand (Bruchmuster, Abrollungsgrad, Farbe) fast identisch sind. So zeigte sich mir im Grabungsbereich bei Eppelsheim, dass die Wirbeltierreste schwerpunktmäßig in drei Fossilhorizonten abgelagert wurden. Wilhelm Wagner beschrieb 1946 und 1947 am Wissberg bei Gau-Weinheim drei Fossilhorizonte im fast identischen Höhenniveau wie in Eppelsheim. Oberflächenspuren von Insekten und Raubtieren (Nagespuren, Bissspuren) deuteten auf eine längere Liegezeit der Tierkadaver, Skelette oder Teilskelette vor ihrer Sedimentation im Ur-Rhein hin.
Alle diese Fakten geben folgendes Bild wieder: Der eigentliche Fluss hatte sich im Laufe der Zeit in den kalkigen Untergrund eingearbeitet und floss tektonisch bedingten Störungen und Schwächezonen entlang. Durch zeitweilige stärkere Strömung (z. B. durch Frühjahrshochwasser) und dem dadurch resultierenden breiteren Flussbett wurde das aus dem Süden mit geschwemmte Material aus dem Uferbereich des Ur-Rheins in Form von Geröllen, Wirbeltierresten (Abrollungsgrad, Bruchmuster), Tonlinsen und Sande bei Strömungsrückgang im Flussbett, vorzugsweise in drei Fossilhorizonten, abgelagert. Durch die Hebung Rheinhessens oder die Einsenkung des Oberrheingrabens ist der Ur-Rhein nach Nordosten in seine heutige Lage gewandert, während der alte Verlauf verlandet ist. Die geologische Entwicklung des Ur-Rheins im Bereich Eppelsheim ist offenbar charakterisiert durch die Einwirkung von Sedimentation, tektonischer Hebung, Verkarstung und Erosion.

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Frage: Der Ur-Rhein floss vor etwa zehn Millionen Jahren nicht durch die Gegend von Mainz und Wiesbaden, sondern westlich davon über die Gegend von Alzey auf die Binger Pforte zu. Weiß man, wie breit und tief dieser Fluss war und ob er Nebenarme hatte?

Antwort: Bei den Grabungen bei Eppelsheim zeigte sich, dass der Flusslauf in diesem Bereich eine Breite von etwa 45 bis 60 Meter erreichte. Er war nicht besonders tief, hatte aber mit Sicherheit in diesem kalkigen Untergrund (Verkarstung) einige Nebenarme. Die Zusammensetzung der Ablagerungen, insbesondere die drei Fossilhorizonte, zeigen, dass der Ur-Rhein bei Hochwasser, z. B. im Frühjahr, wesentlich breiter gewesen sein muss. Dies kennen wir auch vom heutigen Rheinverlauf. Nur damit ist zu erklären, warum so viele Skelettreste und Gerölle aus dem Umland zusammengeschwemmt und schwerpunktmäßig im Flusslauf, nachdem die Strömungsgeschwindigkeit zurück ging, abgelagert wurden.

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Frage: In Rheinhessen kennt man rund ein Dutzend Fundstellen mit Ablagerungen des Ur-Rheins. Welche sind die bedeutendsten?

Antwort: Die bedeutendsten Fundstellen liegen am Wissberg bei Gau-Weinheim, bei Eppelsheim, Westhofen und Esselborn. Sie lieferten bisher die meisten fossilen Wirbeltierfragmente.

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Frage: Die Einwohner des Dorfes Eppelsheim interessieren sich sehr für die Grabungen und Funde in der Gegend ihres Wohnortes. Ist dies der Normalfall?

Antwort: Das Interesse bei den Eppelsheimer Bürgern und Bürgerinnen an der Grabung ist unglaublich groß. Da wird ein Anhänger mit 2000 Liter Wasser für die Schlämmanlage organisiert und natürlich immer auf Verlangen nachgefüllt. Häufig wird Essen aus dem Ort zur Grabungsstelle gebracht oder wir werden in den Ort zum Essen eingeladen. Dabei wechseln sich die Eppelsheimer Familien ab. Das ganze Flair ist freundlich und herzlich. Ich denke, dies ist nicht überall so.

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DinotheriumMajor

Rüsseltier Deinotherium giganteum auf einer Zeichnung des Prager Malers Pavel Major aus dem Dinotherium-Museum in Eppelsheim. Bild: Förderverein Dinotherium-Museum e.V. Eppelsheim

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Frage: Welche von den teilweise sehr exotischen Tieren aus der Zeit der Dinotheriensande faszinieren Sie persönlich am meisten?

Antwort: Die imposanten Dinotherien, zumal immer noch nicht ganz klar ist, wozu sie ihre Stoßzähne eingesetzt haben. Man glaubt, dass sie mit ihnen die Rinde der Bäume abgeschabt und höherliegende Äste herunter gezogen haben. Für mich sind diese Tiere besonders faszinierend und was ihre damalige Lebensweise angeht immer noch geheimnisvoll.

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Frage: Glauben Sie, dass in der Gegend von Eppelsheim noch viele bisher unbekannte Tierarten entdeckt werden können?

Antwort: Mit Sicherheit liefern die Dinotheriensande oder Eppelsheimer Formation noch weitere überraschende Funde. Bei der relativ weiten Verbreitung der Eppelsheimer Formation in Rheinhessen kann man noch einige interessante bzw. neue Funde erwarten. Obwohl die Eppelsheim-Formation bisher eine reiche Artenvielfalt geliefert hat, kann man davon ausgehen, dass es noch viele Tierarten gibt, die bisher unentdeckt blieben und weitere Bausteine zur genaueren Rekonstruktion der Paläoökologie und zur biochronologischen Einstufung liefern würden. Neben den bislang wissenschaftlich beschriebenen Arten sind besonders weitere Kleinsäuger-Funde für eine präzisere zeitliche Einstufung der Ablagerungen von Bedeutung. Es sind auch weitere seltene Menschenaffenfunde zu erwarten, deren Entwicklungsgeschichte in Mitteleuropa aus der Zeit der Eppelsheim-Formation wichtige Information zur frühen Stammensgeschichte der Menschheit liefern kann. Deshalb ist das Fortführen von wissenschaftlichen Grabungsarbeiten in der Eppelsheim-Formation von besonderem internationalem Interesse.

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Frage: Wie war das Klima zur Zeit des Ur-Rheins vor etwa zehn Millionen Jahren?

Antwort: Es war damals wärmer und bedeutend feuchter als heute. Die mittleren Jahrestemperaturen betrugen 11 bis 15 Grad Celsius gegenüber 10 bis 11 Grad Celsius heute und die durchschnittlichen Jahresniederschläge 1.000 bis 1.200 Millimeter, wobei heute weniger als 500 Millimeter fallen.

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Frage: Gediehen am Ufer des Ur-Rheins wärmeliebende Palmen und sonnten sich dort Krokodile?

Antwort: Weder Palmen noch Krokodile hätten wir am Ufer des Ur-Rheins angetroffen. Zur Zeit der Ablagerungen der Eppelsheim-Formation war es in dem Gebiet, welches wir als Rheinhessen kennen wärmer und feuchter als heute, aber nicht tropisch genug für Palmenbewuchs.
Die drei Krokodil-Zähne die am Wissberg gefunden wurden sind ältere umgelagerte Fossilien aus dem Oligozän.

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Frage: Funde aus Eppelsheim werden in vielen Museen aufbewahrt. Welches Museum besitzt die meisten Fossilien aus Eppelsheim?

Antwort: Bedingt durch die aktuelle Grabung in Eppelsheim durch das Naturhistorische Museum Mainz/Landessammlung Rheinland-Pfalz befinden sich dort derzeit die meisten fossilen Wirbeltierfragmente aus der Eppelsheim-Formation in Rheinhessen.

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Dinotherium-Museum

Altbürgermeister Heiner Roos im Dinotherium-Museum. Foto: Ernst Probst

Frage: „Geistiger Vater“ des 2001 gegründeten Dinotherium-Museums in Eppelsheim ist Altbürgermeister Heiner Roos. Hatten Sie bei den Grabungen oft Kontakt mit diesem rührigen Ortschef?

Antwort: Herr Roos ist ein Unikat für sich. Ein freundlicher und hilfsbereiter Mann, der für Eppelsheim und besonders für das Dinotherien-Museum sowie die Grabungsstelle immer tätig ist. Bemerkenswert ist, wie sich Herr Roos in den letzten Jahren, ich kenne ihn schon 9 Jahre, in das Thema Dinotheriensande/Eppelsheim eingearbeitet hat. Dass er Besuchergruppen sehr informativ durch das Eppelsheimer Dinotherium-Museum führt, bleibt da nicht aus.

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der das Weblog http://wissenschafts-news.blog.de betreibt

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Literatur zum Thema:
Jens Sommer: Sedimentologe, Taphonomie und Paläoökologie der miozänen Dinotheriensande von Eppelsheim/Rheinhessen. Doktorarbeit 2007
Ernst Probst: Der Ur-Rhein. Rheinhessen vor zehn Millionen Jahren, München 2009
http://www.libri.de/shop/action/productDetails/8105517/ernst_probst_der_ur_rhein_3640248015.html
Jens Lorenz Franzen / Heiner Roos / Ernst Probst: Das Dinotherium Museum in Eppelsheim, Eppelsheim 2009

Wie Wilrie van Logchem Experte für fossile Raubkatzen wurde

WilrieHomotheriumModell

Wilrie van Logchem mit einem Modell der Säbelzahnkatze Homotherium, das von dem Bildhauer Remie Bakker aus Rotterdam geschaffen wurde. Foto: Dick Mol

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Interview mit Wilrie van Logchem, niederländischer Experte für ausgestorbene Katzen aus Culemborg

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Frage: Herr van Logchem, wie sind Sie Experte für Katzen aus der Urzeit geworden?

Antwort: Vor etwa 25 Jahren habe ich Bekanntschaft gemacht mit dem renommierten holländischen Paläontologen Dr. Paul Sondaar an der Universität Utrecht. Ich war damals sehr interessiert an Dinosauriern. Paul Sondaar hat mich dann in die Welt der Säugetierpaläontologie eingeführt. Ich wollte damals alles über Säugetiere wissen, aber führende Paläontologen in den Niederlanden wie Dr. John de Vos vom National Naturhistorischen Museum Naturalis in Leiden und der bekannte Amateur-Paläontologe Dick Mol aus Hoofddorp haben mich davon überzeugt, dass so etwas unmöglich ist. Ich habe mich dann auf die Raubtiere beschränkt, vor allem auf die Großkatzen aus dem Tertiär und Quartär. Seit vielen Jahren habe ich eine Vorliebe für Säbelzahnkatzen. Im Laufe der Zeit habe ich eine sehr umfangreiche Bibliothek aufgebaut, viele große Sammlungen besucht, verschiedene Sammlungen von Großkatzen studiert und teilweise vermessen. Es heißt ja schließlich: „Übung macht den Meister.“

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Frage: In Deutschland wurden Reste ausgestorbener Säbelzahnkatzen, Löwen, Leoparden, Geparden, Jaguare und Pumas aus dem Eiszeitalter entdeckt. Hat man auch in den Niederlanden solche Raubkatzen gefunden?

Antwort: Wie Sie vielleicht wissen, ist Holland sehr reich an Säugetierresten aus dem Eiszeitalter (Pleistozän) sowohl aus dem Früh-Pleistozän als auch aus dem Spät-Pleistozän. Dazu gehören natürlich auch die von Ihnen genannten ausgestorbenen Raubtiere. Nein, wir haben in Holland nicht alle der erwähnten Raubkatzen. Wir kennen aus dem Früh-Pleistozän die große Säbelzahnkatze Homotherium crenatidens und wahrscheinlich auch die kleine Säbelzahnkatze Homotherium latidens, den Europäischen Jaguar Panthera onca gombaszoegensis und den Luchs Lynx lynx.
Aus dem Spät-Pleistozän liegen aus Holland auch einige fossile Funde von Großkatzen vor. Erstens möchte ich den Höhlenlöwen Panthera leo spelaea nennen. Davon kennen wir sehr viele Überreste, vor allem aus der Nordsee. Dort war diese Großkatze ein Mitglied der Mammutfauna. Und dann natürlich muss ich für das Spät-Pleistozän auch die Säbelzahnkatze Homotherium latidens und auch wieder den Luchs Lynx lynx nennen. Von Homotherium wurde im Jahre 2000 ein fast kompletter Unterkiefer „aufgedretscht“ vom Nordseeboden. Er wurde datiert auf etwa 28.000 Jahre vor heute.

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WilrieMilia2008

Wilrie van Logchem 2008 in Milia, Griechisch-Mazedonien. Foto: Hans Wildschut, Hoofddorp

Frage: Suchen Sie selbst nach Fossilien von Katzen?

Antwort: Ich bin an mehreren Expeditionen beteiligt gewesen. Zum Beispiel war ich mit Dick Mol öfter auf der Nordsee. Dort werden mit Fischkuttern Mammutknochen und andere Reste pleistozäner Säugetiere „aufgedretscht“. Die Nordsee zwischen England und den Niederlanden war im Pleistozän trockenes Land. Die Britischen Inseln sind ja erst vor etwa 8000 Jahren richtige Inseln geworden. Von Dick Mol habe ich immer sehr viel gelernt und bin mit ihm befreundet. Vor einigen Jahren hat er mich auch mitgenommen nach Griechenland. Dort arbeiten wir gemeinsam mit Paläontologen der Aristoteles-Universität, vor allem mit Professor Evangelia Tsoukala und ihren Studenten, zusammen. In Milia, Griechisch-Mazedonien, haben wir ein großes Projekt. Dort graben wir eine pliozäne Fauna aus, die etwas 3 bis 3.5 Millionen Jahre alt ist. Diese Fauna enthält Mastodonten (Ur-Elefanten) der Art Mammut borsoni und wir haben dort auch Reste von einer Säbelzahnkatze der Gattung Homotherium gefunden. Die Raubtiere werden von mir studiert, die Mastodonten von Dick Mol.

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WilrieXenosmilus

Abguss des Schädels der Säbelzahnkatze Xenosmilus aus Nordamerika. Foto: Hans Wildschut, Hoofddorp

Frage: Besitzen Sie eine Fossiliensammlung?

Antwort: Nein, die Referenzsammlung, die ich zu Hause habe, darf man nicht eine Sammlung nennen. Es sind vor allem Abgüsse von wichtigen Funden, die ich sehr oft brauche für Vergleichszwecke. So besitze ich einen sehr schönen Abguss eines Schädels von der neuen Gattung Xenosmilus aus Nordamerika, die sehr Homotherium ähnelt. Es ist ein wunderschönes Stuck!

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Frage: Ihr Name würde kürzlich im Zusammenhang mit der Entdeckung eines Säbelzahnkatzen-Fossils aus der Nordsee erwähnt. Welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Antwort: Zusammen mit Dick Mol habe ich eine kurze Arbeit publiziert über einen neuen Fund vom Nordseeboden. Ein sehr seltenes Fossil, ein Oberarmknochen von der Säbelzahnkatze Homotherium aus dem Früh-Pleistozän vom Nordseeboden, genauer gesagt von der großen Art Homotherium crenatidens. Dabei handelt es sich um den ersten Nachweis von diesem Tier aus Nordwest-Europa. In Weimar haben wir bei Dr. Ralf-Dietrich Kahlke in der Forschungsstation für Quartärpaläontologie des Forschungsinstituts Senckenberg diesen Fund mit anderen Fossilien von Raubkatzen verglichen und vermessen. Die Arbeit ist vor kurzem publiziert worden in verschiedenen Zeitschriften, darunter der Zeitschrift „Cranium“ der Arbeitsgruppe Pleistozäne Säugetiere (WPZ = Werkgroep Pleistocene Zoogdieren, siehe http://www.pleistocenemammals.com ).

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BuchSaebelzahnkatzen

Lesenswertes Buch über Säbelzahnkatzen von Dick Mol, Wilrie van Logchem, Kees van Hooijdonk und Remie Bakker: "The Saber-Toothed Cat of the North Sea" (2008)

Frage: Schreiben Sie Artikel oder Bücher über fossile Raubkatzen?

Antwort: 2007 kam unser Buch „De Sabeltandtijger uit de Noordzee“ von Dick Mol, Wilrie van Logchem, Kees van Hooijdonk und Remie Bakker in niederländischer Sprache heraus. 2008 wurde es unter dem Titel „The Saber-Toothed Cat of the North Sea“ auch in englischer Sprache publiziert. Vielleicht erscheint auch noch mal eine deutschsprachige Ausgabe. Mit verschiedenen Paläontologen arbeite ich weltweit an anderen Publikationen über fossile Großkatzen.

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Frage: Erhalten Sie viele Anfragen zum Thema fossile Katzen?

Antwort: Ja, nicht nur von professionellen Paläontologen, sondern auch von Schülern. Von Vereinen werde ich regelmäßig gebeten, Vorträge zu halten. Leider bin ich nicht immer in der Lage sofort zu antworten, weil ich im täglichen Beruf sehr beschäftigt bin. Dazu kommt noch dass ich fasst 15 Jahre Sekretär der Arbeitsgruppe Pleistozäne Säugetiere war. Damit hatte ich auch immer sehr viel Arbeit.

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Frage: Haben Sie für 2009 neue Pläne?

Antwort: Im April 2009 bin ich wieder mit Dick Mol in Milia in Griechenland. Dort werden wir unsere Untersuchungen weiterführen. Auch werden wir mithelfen, das kleine, aber sehr wichtige Museum in Milia aufzubauen. Dort gibt es sehr schöne und interessante Ergebnisse unserer Untersuchungen zu sehen.
Im Sommer 2009 habe ich noch eine Reise nach Sofia in Bulgarien und nach Bukarest in Rumänien vor. Natürlich geht es dabei um fossile Großkatzen. Auch dort gibt es Faunen aus dem Pliozän und Pleistozän mit Säbelzahnkatzenfunden. Die möchte ich gerne studieren, vermessen und fotografieren.
Vielleicht fliege ich dieses Jahr noch nach Venezuela. Dort sind im Norden in Teerablagerungen jetzt sehr viele Funde der Säbelzahnkatze Homotherium entdeckt worden. Das sind spektakuläre Funde und ist es das erste Mal, dass in Südamerika Homotherium nachgewiesen wurde. Ich sollte bereits im November 2008 dort sein, ich wurde damals eingeladen für eine kleine Konferenz, war aber krank und musste zu Hause bleiben. Leider! Aber mein Flugticket ist noch fast das ganze Jahr 2009 gültig.

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Wilrie van Logchem 2007 in Milia, Griechisch-Mazedonien. Foto: Dick Mol, Hoofddorp

Frage: Wo kann man im Internet mehr über Sie erfahren?

Antwort: Über http://www.google.com kann man einige interessante Websites besuchen, auf denen ich erwähnt werde. Dabei geht es vor allem über meine Arbeiten in Griechenland.

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Frage: Wo kann man Ihre schönen Bücher über Säbelzahnkatzen kaufen?

Antwort: Sowohl die Englische Ausgabe („The Saber-Toothed Cat“) als auch die Niederländische Ausgabe („De Sabeltand Tijger“) sind erhältlich beim Verlag:
Uitgeverij DrukWare, Geert Jan Engelmoer, Batinge 3, NL-9331 KS Norg, Niederlande.
Telefon: +31 (0) 59 26 13 537
Mobil: +31 (0) 6 52 13 80 72
Bestellungen im Internet unter:
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=en (Englisch)
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=nl (Niederländisch)

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Die Fragen für das Interview stellte der Wissenschaftsautor Ernst Probst, Autor des Taschenbuches "Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter" und Betreiber des Weblog http://wissenschaft-news.blog.de

Montag, 16. Februar 2009

Interview mit Dick Mol über Säbelzahnkatzen aus dem Eiszeitalter

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Modell der Säbelzahnkatze Homotherium von Remie Bakker und Dick Mol

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Interview mit Dick Mol, international bekannter Experte für fossile Säugetiere aus dem Eiszeitalter und einer der vier Autoren der Buches „The Saber-Toothed Cat“ (Englisch) und „De Sabeltandtijger“ (Niederländisch) aus Hoofddorp (Niederlande)

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Dick Mol mit Schädel eines Steppenwisents aus der Nordsee

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Frage: Von Dick Mol, Wilrie van Logchem, Kees van Hooijdonk und Remie Bakker ist kürzlich ein reich bebilderter Prachtband über Säbelzahnkatzen in englischer und in niederländischer Sprache erschienen, der das Beste zu diesem Thema darstellt. Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch über diese Raubkatzen zu schreiben und zu veröffentlichen?

Antwort: Vom Nordseeboden zwischen England und den Niederlanden wurde im März 2001 ein Unterkieferast einer Säbelzahnkatze von einem Fischkutter ans Tageslicht geholt. Dieser Fund brachte viel Neues über die Verbreitung und das Vorkommen von Säbelzahnkatzen im Eiszeitalter (Pleistozän) von Nordwest-Europa. Der Fund wurde wissenschaftlich publiziert im „Journal of Vertebrate Paleontology“ (2003) in den USA. Wir hatten aber sehr viele Daten über diesen Neufund, die wir gerne auch Laien mitteilen wollten. Auch hatten wir sehr viele professionelle Aufnahmen von unseren Nordsee-Expeditionen und dazu kommt natürlich, dass eiszeitliche Großkatzen immer große Anziehungskraft besitzen, ebenso wie das Wollhaar-Mammut, so dass es relativ einfach war, einen Verlag zu finden. Zuerst erschien in Dezember 2007 die niederländische Ausgabe sehr reich illustriert und ein halbes Jahr später die englische Version des Buches. Es handelt sich bei diesem Nordsee-Fund um das späteste Vorkommen der Säbelzahnkatze Homotherium latidens im Eiszeitalter. Eine Altersdatierung mit der Radiocarbon-Methode ergab ein Alter von „nur“ 28.000 Jahren. Somit wurde die Zeit des Vorkommen der Säbelzahnkatze Homotherium in Europa um rund 270.000 Jahre verlängert!

BuchSaebelzahnkatzen

Prachtband „The Saber-Toothed Cat“ über Säbelzahnkatzen

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Frage: Warum ist dieses etwa 28.000 Jahre alte Fossil für Europa eine große Sensation?

Antwort: Die Fachwelt war davon überzeugt, dass die kleine Säbelzahnkatze Homotherium latidens vor etwa 300.000 Jahren in Europa und Asien ausgestorben ist. Die Atersdatierung der Universität Utrecht hat aber gezeigt, dass diese relativ seltene Großkatze bis ins späte Eiszeitalter in Nordwest-Europa – und damit auch in Eurasien – noch vorkam. In England glaubte man sogar, dass diese Säbelzahnkatze schon vor 500.000 Jahren ausgestorben sei.
Säugetierreste aus dem frühen und mittleren Eiszeitalter vom Nordseeboden sind immer sehr stark versteinert und können durch ihre Mineralisierung und Form sehr gut eingestuft werden. Der Unterkiefer samt Bezahnung von Homotherium war überhaupt nicht versteinert, deswegen haben wir eigentlich sofort feststellen können, dass wir es mit einem geologisch sehr „jungen“ Fund von dieser ausgestorbenen Tierart zu tun haben.

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Dick Mol und Kapitän Maarten de Waal, mit dessen Fischkutter "GO33", öfter Nordsee-Expeditionen durchgeführt wurden

Frage: Die Nordsee war im Eiszeitalter (ca. 2,6 Millionen Jahre bis etwa 11.700 Jahre) zeitweise Festland. Wie weit reichte dieses „Nordseeland“ maximal nach Norden?

Antwort: Die Nordsee ist kein tiefes Meer. Grosse Teile lagen trocken und gehörten im späten Eiszeitalter zur Mammutsteppe, einem trockenen Grasland. Es war kalt und es gab sehr wenig Bäume. Diese Mammutsteppe erstreckte sich von England im Westen über die Nordsee-Tiefebene, Deutschland, Polen, Russland, die trocken gefallene Beringstraße und Teile des Arktischen Ozeans nach Norden bis zu Nordamerika.

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Karte der Paläo-Geografie von Nordwest-Europa zur Zeit der Säbelzahnkatze Homotherium latidens im späten Eiszeitzalter

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Frage: Welche Tiere waren Zeitgenossen der vor rund 28.000 Jahren auf dem „Nordseeland“ lebenden Säbelzahnkatze?

Antwort: Die Zeitgenossen gehören zur so sogenannten Mammutfauna. Dazu zählten Großsäuger wie Wollhaar-Mammute, Wollhaar-Nashörner, Wildpferde, Steppenwisente, Riesenhirsche, Rentiere, Moschusochsen, Hyänen, Höhlenlöwen sowie viele andere große und kleine Tiere.

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Frage: Im August 2008 ging einem niederländischen Fischkutter in der Nordsee ein weiterer Rest einer Säbelzahnkatze ins Netz. Was ist das Besondere an diesem mehr als 850.000 Jahre alten Fund?

Antwort: Der Kutter „TX1“ hat vom Meeresboden vor der Küste Ost-Englands einen fragmentarisch erhaltenen Oberarmknochen von einer Säbelzahnkatze zu Tage gefördert. Der Fund war schwarz gefärbt und sehr stark versteinert. Es stammt aus Flussablagerungen des frühen Eiszeitalters. Das wissen wir, weil ein Besatzungsmitglied des Kutters „TX1“ die genauen Koordinaten des Fundorts notiert hat und wir die Geologie dieses Teils der Nordsee sehr gut kennen. Dieses Fragment haben wir in der Forschungsstation für Quartärpaläontologie des Forschungsinstitutes Senckenberg in Weimar mit Funden der Säbelzahnkatze Homotherium crenatidens von einer bekannten Fundstelle in Thüringen verglichen. Dort konnten wir feststellen, dass der Fund von der großen Säbelzahnkatze Homotherium crenatidens aus dem frühen Eiszeitalter stammt.

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Frage: Welche Tiere waren Zeitgenossen dieser vor mehr als 850.000 Jahren im „Nordseeland“ lebenden Säbelzahnkatze?

Antwort: Das Klima war im frühen Eiszeitalter wärmer und feuchter. Die ersten Mammute, das so genannte Südliche Mammut mit einer Schulterhöhe von über 4 Metern und nicht an die Kälte angepasst wie das Wolhaar-Mammut, Ur-Elefanten (Mastodonten), die in Europa und Asien im frühen Eiszeitalter ausgestorben sind, sehr große Wildpferde, große Hirscharten wie der Breitstirnelch und verschiedene Riesenhirscharten waren Mitglieder dieser an Savannen angepassten Tierwelt. Sehr selten waren um diese Zeit ungewöhnlich große Flusspferde, die in Flüssen gelebt haben.

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Frage: Wer hat als Erster erkannt, dass es sich bei den Funden von 2001 und 2008 aus der Nordsee um Säbelzahnkatzen handelte?

Antwort: Die kleine Säbelzahnkatze Homotherium latidens wurde von meinem Freund Klaas Post aus Urk (Niederlande) erworben und vorläufig bestimmt. Wir hatten aber Probleme mit der Bestimmung, weil der Kiefer nicht versteinert war und er nicht mit der Lehrmeinung übereinstimmte, dass Homotherium sehr alt sein muss. Erst im Naturhistorischen Museum Rotterdam, wo Klaas und ich als ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind, haben wir zusammen mit Professor Jelle Reumer, dem Direktor des Museums, feststellen können, dass wir es tatsächlich mit Homotherium latidens zu tun haben. Den Fund von 2008 habe ich selbst als große Säbelzahnkatze Homotherium crenatidens bestimmen können. Zusammen mit dem Großkatzenspezialisten Wilrie van Logchem aus Culemborg (Niederlande) habe ich den Fund in Weimar untersucht und beschrieben. Unsere kurze Publikation wurde schon Ende Dezember 2008 gedruckt in der Zeitschrift „Cranium“ der Arbeitsgruppe Pleistozäne Säugetiere (WPZ).

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Frage: In Ihren herrlichen Büchern stellen Sie die bekanntesten Gattungen der Säbelzahnkatzen in Wort und Bild vor. Welche Gattung war am größten?

Antwort: In Eurasien war wohl Homotherium crenatidens die größte Säbelzahnkatze. Vor allem die Beine dieses Tieres waren sehr lang und kräftig. Das haben wir auch feststellen können, als wir das Oberarmknochen-Fragment von 2008 aus der Nordsee verglichen haben mit anderen Funden von Raubkatzen, die in der Literatur beschrieben worden sind. Professor Helmut Hemmer aus Mainz, einer der besten Kenner fossiler Großkatzen in Europa, schätzt, dass ein erwachsenes Tier der Gattung Homotherium wohl 400 Kilogramm schwer sein könnte.

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Frage: Säbelzahnkatzen werden in der Literatur sehr unterschiedlich beschrieben. Einerseits heißt es, sie seien Aasfresser gewesen, andererseits liest man oft, sie hätten sich als Jäger betätigt. Welche Auffassung vertreten Sie?

Antwort: Ich vertrete die Auffassung, dass die Säbelzahnkatze Homotherium sich auch als Jäger betätigt hat. In unserem Buch beschreiben wir, dass auch die Möglichkeit besteht, dass Homotherium in kleinen Gruppen von vielleicht drei bis vier Individuen gejagt hat. Im Buch sind etliche Zeichnungen von Remie Bakker aus Rotterdam abgebildet, die zeigen, wie eine kleine Gruppe von Homotherium ein junges Mammut jagt.

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Frage: Säbelzahnkatzen werden teilweise auch als Säbelzahntiger bezeichnet. Hatten diese Raubkatze irgendwelche Gemeinsamkeiten mit Tigern?

Antwort: Die Säbelzahnkatzen sind schon vor Millionen Jahren entstanden und stehen im Stammbaum weit entfernt von den Tigern, die relativ spät entstanden sind.

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Frage: Warum findet man nur sehr selten Zähne oder Knochen von Säbelzahnkatzen?

Antwort: Die Säbelzahnkatzen standen natürlich an der Spitze der Nahrungskette. Sie waren also keine allgemeine Erscheinung. Die Chance, dass Űberreste von ihnen gefunden werden, ist sehr klein. Dafür müssen die richtigen Bedingungen vorhanden sein. Aber es gibt einige Fundstellen, wo man sehr schöne und interessante Entdeckungen von Homotherium gelungen sind wie zum Beispiel in Senèze in der Auvergne in Frankreich.

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Frage: In welchen Museen kann man wichtige Funde von Säbelzahnkatzen bewundern?

Antwort: Der Unterkiefer der kleinen Säbelzahnkatze Homotherium latidens von 2001 aus dem späten Eiszeitalter befindet sich in der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Rotterdam und ist dort ausgestellt. Der Fund der großen Säbelzahnkatze Homotherium crenatidens aus der Nordsee von 2008 befindet sich in der Privatsammlung von Bert Schagen auf der Insel Texel. Auch in England gibt es sehr schöne Fundstücke. Komplette Skelette von Homotherium sind ausgegraben worden an der klassischen Fundstelle Senèze in der Auvergne (Frankreich) und befinden sich in Basel (Schweiz) und Lyon (Frankreich). Auch in Deutschland gibt es sehr wichtige Funde die sich unter anderem in Weimar, Mauer bei Heidelberg und Stuttgart befinden. Die umfangreichen Funde in Weimar sind nicht ausgestellt. Dafür sind diese sehr ausführlich von Professor Hemmer aus Mainz beschrieben und in einer Monografie publiziert. Die Skelette aus der Auvergne sind aber die besten, weil sie so komplett sind.
Eiszeitliche Säbelzahnkatzen sind vor allem in Rancho La Brea mitten im Stadtgebiet von Los Angeles in Kalifornien (USA) entdeckt worden. Diese gehören aber zur Gattung Smilodon. Diese Tiere waren sehr groß und haben bis zum Ende des Eiszeitalters existiert. Von der Art Smilodon fatalis gibt es Tausende von Funden, darunter sogar komplette Skelette. Einige sind ausgestellt im Museum „Rancho La Brea, Museum of the Tar-Pits“ in Los Angeles. Neben dem Mammut sind die Säbelzahnkatzen von Rancho La Brea wohl die bekanntesten Großsäuger des Eiszeitalters in Nordamerika, denken Sie nur an die Zeichentrickfilme „Ice-Age I“ und „Ice-Age II“.

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Frage: In Ihren beiden Büchern über Säbelzahnkatzen ist ein naturgetreues Modell der löwengroßen Säbelzahnkatze Homotherium zu bewundern, die auch in Deutschland, Österreich und anderen Ländern in Europa nachgewiesen ist. Wer hat dieses sehenswerte Modell geschaffen?

Antwort: Seit Jahren arbeite ich mit den Bildhauer Remie Bakker aus Rotterdam zusammen. Er versteht die Säugetierpaläontologie sehr gut. Őfters war er mit mir unterwegs in Sibirien, auf der Nordsee und im Klondike (Kanada) auf der Suche nach Űberresten eiszeitlicher Säugetiere und immer waren wir erfolgreich. Mit ihm habe ich vor einigen Jahren ein naturgetreues Modell eines Wollhaar-Mammuts hergestellt, das sehr gut gelungen ist. Auf der Weltausstellung „EXPO 2005“ in Japan hatten wir für unser Modell über 6 Millionen Besucher innerhalb von 6 Monaten. Mit Remie haben wir das Modell der Säbelzahnkatze Homotherium latidens aus dem späten Eiszeitalter nach unsere Ideen gebaut und es ist meines Ermessens ebenfalls sehr gut gelungen. Wir sehen diese Säbelzahnkatze auch angepasst an die kalte und trockene Mammutsteppe. Im Rotterdamer Museum haben wir eine kleine Ausstellung gemacht über die spektakulären Nordsee-Funde.

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Frage: Sie genießen weltweit einen sehr guten Ruf als Experte für fossile Säugetiere aus dem Eiszeitalter. Für welche Tierarten interessieren Sie sich besonders?

Antwort: Eigentlich interessiere ich mich für die gesamte Fauna des Eiszeitalters, also sowohl für die Groß- als auch für die Kleinsäuger. Aber es gibt einige Tiere die ich am liebsten studiere wie die Flusspferde und natürlich die Rüsseltiere wie Mammuts, Mastodonten (Ur-Elefanten) und Elefanten.

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Frage: Wo kann man Ihre schönen Bücher über Säbelzahnkatzen kaufen?

Antwort: Sowohl die Englische Ausgabe („The Saber-Toothed Cat“) als auch die Niederländische Ausgabe („De Sabeltand Tijger“) sind erhältlich beim Verlag:
Uitgeverij DrukWare, Geert Jan Engelmoer, Batinge 3, NL-9331 KS Norg, Niederlande.
Telefon: +31 (0) 59 26 13 537
Mobil: +31 (0) 6 52 13 80 72

Bestellungen im Internet unter:
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=en (Englisch)
http://www.sabeltandtijger.eu/?lang=nl (Niederländisch)

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der das Weblog http://wissenschafts-news.blog.de betreibt

Dienstag, 23. Dezember 2008

Interview mit Mammut-Experte Dick Mol über den Waldelefanten von Kaloneri














Das Kaloneri-Team 2008 unter dem imposanten Waldelefanten-Schädelrest im Rathaus von Kaloneri. Foto: Kaloneri-Team


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Interview mit dem niederländischen Mammut-Experten Dick Mol

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Das Kaloneri-Team stellt den Waldelefanten-Schädelrest im Rathaus von Kaloneri auf. Foto: Kaloneri-Team

Frage: Herr Mol, Sie haben in Griechenland zusammen mit Professor Evangelia Tsoukala von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki einen Schädelrest mit riesigen Stoßzähnen von einem Waldelefanten aufgestellt. Was ist das Besondere an diesem Fund?

Antwort: Griechenland ist sehr reich an Säugetier-Funden aus dem Pliozän und Pleistozän (Eiszeitalter). Das gilt auch für fossile Rüsseltiere. In Milia, West-Mazedonien (Griechenland), arbeite ich seit einigen Jahren mit Frau Professor Evangelia Tsoukala zusammen. Dort haben wir 2006 einen Mastodonten (Zitzenzahn-Elefanten) aus dem späten Pliozän ausgegraben. Dieses Rüsseltier hat fast gerade Stoßzähne gehabt mit einer Länge von sage und schreibe 502 Zentimetern!
Kurz bevor wir im Sommer 2006 unsere Ausgrabung in Milia angefangen haben, hat Frau Tsoukala mit ihrem Team im Nachbarort Kaloneri eine Notausgrabung durchgeführt. Dort wurde bei Autobahnarbeiten ein Teilskelett von einem pleistozänen Waldelefanten (Elephas antiquus) vom Bulldozer zerstört. Ein Teil des Schädels mitsamt Stoßzähnen konnte gerettet werden.
Im Sommer 2008 haben wir den Fund, der in einer Schule in Gipshülsen aufbewahrt wird, präpariert. An der Schädelmorphologie und den geraden Stoßzähnen habe ich festgestellt, dass es sich um einen männlichen Waldelefanten handelt. Diese Art war im Pleistozän vor ungefähr 700.000 bis 28.000 Jahren weit verbreitet. Während der Eem-Warmzeit (etwa 127.000 bis 115.000 Jahre) haben viele dieser wärmelebenden Rüsseltiere auch am Oberrhein in Deutschland und in England gelebt. Der Trafalgar Square in London war in der Eem-Warmzeit von Waldelefanten bewohnt.
Wir arbeiten an einem wissenschaftlichen Bericht über das Vorkommen von Waldelefanten in Griechenland. Dieser Fund war neu und deswegen von großem Interesse. Wir haben sofort feststellen können, dass bei unserem Waldelefanten-Fund von 2006 bereits zu Lebzeiten der rechte Stoßzahn gebrochen war. Vielleicht hat das Tier einen Unfall gehabt oder sein Stoßzahn ist bei einem Streit mit einem anderen Bullen gebrochen.

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Ausgrabung des Waldelefanten von Kaloneri (West-Mazedonien) in Griechenland. Foto: Kaloneri-Team

Frage: Wann, wo und wie wurde der Schädelrest des Waldelefanten in Griechenland entdeckt?

Antwort: Dieser Waldelefant wurde 2006 in Kaloneri, West-Mazedonien, ausgegraben. Sein genaues geologisches Alter ist noch nicht bekannt, es dürfte wohl spätes Mittel- oder frühes Spät-Pleistozän gewesen sein. Es handelt sich um ein männliches Tier, das – nach den Stosszahnen zu urteilen – schon ein hohes Alter erreicht hatte.
Dieser Fund gehört der Ortschaft Kaloneri. Der Bürgermeister von Kaloneri hat uns gebeten, diesen Schädel mitsamt Stoßzähnen im neuen Rathaus von Kaloneri auszustellen. Das haben wir Mitte Dezember 2008 gemacht. Es ist eine kleine, aber sehr eindrucksvolle Ausstellung in der Halle des Rathauses von Kaloneri geworden.
Innerhalb einer Woche haben wir zusammen mit einigen Mitgliedern unseres Teams von der Aristoteles-Universität aus Thessaloniki die Ausstellung eingerichtet.
Auch im Museum von Milia, das schon sehr bekannt ist wegen der riesigen Stoßzähne vom Mastodonten, haben wir mit der Künstlerin Dimitra Labretsa zusammengearbeitet. Nach meinen Angaben hat sie letztes Jahr eine eindrucksvolle Rekonstruktion des Rüsseltieres Mammut borsoni, des etwa drei Millionen Jahre alten so genannten Mastodonten von Milia, angefertigt.
Das haben wir jetzt auch in Kaloneri gemacht. Mit den aus Holland mitgebrachten Waldelefanten-Unterlagen hat Frau Labretsa unter Leitung von mir und Frau Tsoukala ein sehr schönes Bild auf einer großen Wand hergestellt. Daneben haben wir die Schädelteile des Waldelefanten von Kaloneri ausgestellt.
Sehr gut ist zu sehen, dass der rechte Stoßzahn erheblich kürzer ist als der linke. Die Zahnspitze ist nach dem Bruch wieder sehr intensiv von dem Tier benutzt worden. Deswegen ist die Zahnspitze flach geschliffen und poliert.

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Schädelfragment von Mammuthus meridionalis (NESTI, 1825) im Museum Montevarcchi, Valdarno, Italien. Die Stoßzähne bei Mammuten sind spiralförmig gekrümmt. Foto: Kaloneri-Team

Frage: War 2008 für Sie als Mammut-Experten ein gutes Jahr?

Antwort: Ja, 2008 war sehr erfolgreich. Nicht nur der Nordseeboden zwischen Holland und England hat wieder viele neue Funde geliefert. In Frankreich war ich beteiligt an der Ausgrabung des Schädels von einem Steppen-Mammut. In Italien habe ich eine sehr interessante Sammlung mit vielen Originalfunden in Turin studieren können. Auch sind noch zwei Bücher herausgekommen. Ein anderes ist fast druckreif und wird voraussichtlich im März 2009 erscheinen. Mit vielen schönen Gemälden von Remie Bakker, einem holländischen Künstler aus Rotterdam, mit dem ich seit mehreren Jahren zusammenarbeite.

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Frage: Haben Sie 2009 als Mammut-Experte etwas Besonderes vor?

Antwort: Im Januar werde ich nach Jakutien (Ost-Sibirien) fliegen. Dort arbeite ich in einer Eishöhle an dem fast kompletten Kadaver eines Wollhaarnashorns (Coelodonta antiquitatis). Einen besseren Anfang für 2009 hätte ich mir nicht wünschen koennen.

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der die Weblogs http://internet-zeitung.blogspot.com und http://wissenschafts-news.blog.de betreibt.

Sonntag, 23. November 2008

Interview mit Dick Mol ("Mister Mammoth")


















Dick Mol bei einer Ausgrabung. Foto: Wilrie van Logchem

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Interview mit Dick Mol, international anerkannter niederländischer Mammut-Experte aus Hoofddorp bei Amsterdam

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Frage: Herr Mol, seit wann interessieren Sie sich für Mammuts?

Antwort: Ich habe 1968 angefangen Fossilien zu sammeln. Damals wohnte ich an der deutsch-niederländischen Grenze in Winterswijk. Die Umgebung von Winterswijk gilt als ein so genannte geologisches Mosaik. Dort gibt es einen sehr großen Steinbruch mit Gesteinen aus der Trias, genauer gesagt aus dem Muschelkalk. In verschiedenen Bachbetten liegen Schichten aus dem Jura und so weiter. In manchen Tongruben findet man Ablagerungen aus dem Oligozän und Miozän. Überall konnten Fossilien gefunden werden. Ich habe dort sehr viel entdeckt. Die Fossilien – wie Fußabdrücke von Nothosauriern oder Ammoniten, Belemniten, Haifischzähne und vor allem Walknochen aus dem Miozän – habe ich immer dem Geologischen Museum in Leiden geschenkt. Dieses Museum in Leiden hiess damals "Rijksmuseum van Geologie en Mineralogie". Heute ist es zusammen mit dem "Rijksmuseum voor Natuurlijke Historie" untergebracht im "Nationaal Natuurhistorisch Museum Naturalis" zu Leiden. Als ich dort das erste Mal hinkam, habe ich die sehr umfangreiche Sammlung von Mammutknochen auf dem Dachboden gesehen. Davon war ich sehr beeindruckt. Mammuts, nein, davon konnte man in meiner Gegend keine Überreste sammeln.

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Frage: Was fasziniert Sie an Mammuts?

Antwort: Mammute kennt jeder. Aber es gibt sehr viele Annahmen, die nicht richtig sind. Diese falschen Annahmen möchte ich korrigieren. Nein, Mammute, und damit meine ich das Wollhaar- Mammut (Mammuthus primigenius) haben nicht in Schnee und Eis gelebt. Mammute sind Elefanten, brauchen sehr viel Futter, etwa 180 bis 200 Kilogramm am Tag, und das haben diese Tiere nicht auf verschneiten Tundren gefunden. Nein, Mammute sind gar nicht so groß, wie man denkt, und sie haben auf trockenen Grassteppen gelebt. Von England im Westen über ganz Europa, Asien bis nach Nord-Amerika gab es im Spätglazial der Weichsel-Eiszeit eine Mammut-Steppe: kalt und trocken. Bäume wuchsen kaum.

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Frage: Haben Sie in Ihrem Beruf mit Mammuts zu tun?

Antwort: Am Flughafen Amsterdam bin ich als Zollbeamter tätig. Unter anderem bin ich Sachbearbeiter für das Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (Cites). Ja, Elfenbein von Mammuts aus dem Dauerfrostboden und auch daraus hergestellte Objekte sehe ich öfters vorbei kommen und erkenne sie auch sofort. Habe aber auch zu tun mit Elfenbein von heutigen Elefanten aus Afrika und auch aus Asien. Obwohl der Handel mit Elfenbein nicht gestattet ist, werden doch noch regelmäßig Schmuggler gefasst. Meine Kenntnisse über Elefanten im Allgemeinem sind dann ein großer Vorteil.

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Frage: Wie wird man – so wie Sie – zum international anerkannten Mammut-Experten?

Antwort: Seit Anfang der 1970-er Jahre war ich befreundet mit Dr. Paul Sondaar, einem inzwischen verstorbenen niederländischen Paläontologen von der Universität Utrecht. Von ihm habe ich sehr viel gelernt. Mit ihm war ich sehr viel unterwegs. Viele Fundstellen, aber auch internationale Konferenzen haben wir gemeinsam besucht. 1983 hat er mich zu einer Konferenz auf Sardinien eingeladen. Dort habe ich dann meinen ersten Vortrag über Rüsseltier-Reste vom Nordseeboden gehalten. Dabei ging es über Mastodonten aus dem Pliozän, die ersten Mammuts in Europa, über Waldelefanten aus der Eem-Warmzeit bis zum Wollhaar-Mammut. Das war ein großer Erfolg. Danach kamen Einladungen aus aller Welt.

1997 habe ich zusammen mit Bernard Buigues aus Paris ein großes Projekt in Sibirien angefangen: „Who or what killed the Mammoths?“. Bei diesem Projekt war ich verantwortlich für die wissenschaftliche Koordination. Ich habe ein großes Team aufgebaut mit über 40 Wissenschaftlern aus aller Welt. Damals habe ich viele neue Ideen entwickelt, die dazu beigetragen haben, dass wir jetzt ein ganz anderes Bild vom Mammut und dem Aussterben dieses Eiszeit-Riesen haben.

Dazu kommt, dass ich natürlich 100-prozentige Freiheit habe. Ich bin als ehrenamtlicher Forscher tätig am Naturhistorischen Museum in Rotterdam. Zusammen mit dem Musee Crozatier in le Puy-en-Velay, Haute Loire, Frankreich, unternehme ich eigene Expeditionen. Es scheint so, dass die Medien immer an eiszeitlichen Säugetieren wie Mammuts als Eiszeit-Symbol interessiert sind. Ob ich jetzt in Weimar in Deutschland bin oder in Basel in der Schweiz oder im Yukon in Kanada, immer werde ich gebeten, Vorträge zu halten und mit Journalisten zu sprechen. Das mache ich gerne, und das Interessante daran ist, dass ich immer davon lerne. Die Gespräche gehen natürlich über Mammuts und so weiter, aber immer wird geforscht, warum ich nicht mein Geld damit verdiene. Ich mache die Paläontologie aus Liebe.

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Frage: Das Mammut wurde 1799 von dem deutschen Gelehrten Johann Friedrich Blumenbach als Erster wissenschaftlich beschrieben, weiß man heute alles über dieses Rüsseltier?

Antwort: Ja, wir denken, dass wir alles wissen, aber immer gibt es noch etwas zu lernen. Dass die Mammuts ausgestorben sind, weiß jeder. Aber was hat das Aussterben verursacht. Darüber sind wir noch nicht klar. Interdisziplinäre Studien können dazu beitragen. Wie hat die Umwelt des Mammuts ausgesehen, warum ist ihr Biotop verschwunden? Da gibt es noch viel zu lernen. Haben die Mammuts ein Sozialleben geführt wie die heutigen Elefanten? Darüber wissen wir sehr wenig. Auch da können wir von den Fossilien noch sehr viel erfahren. Darum muss das Fach Säugetierpaläontologie unterstützt werden. Wenn wir die Vergangenheit der Tiere verstehen, sind wir vielleicht in der Lage die Tiere in Afrika erfolgreicher zu schützen.

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Frage: Wie hoch und schwer waren die größten Mammute?

Antwort: Während des Eiszeitalters (Pleistozäns) vor etwa 2,6 Millionen bis 11.500 Jahren vor heute hat es in Europa drei verschiedene Mammuts gegeben. Im Früh-Pleistozän das Südliche Mammut (Mammuthus meridionalis) mit einer Schulterhöhe von 4,20 Meter, im Mittel-Pleistozän das Steppenmammut (Mammuthus trogontheri) und im Spät-Pleistozän das Wollhaar-Mammut (Mammuthus primigenius). Davon ist das Wollhaar-Mammut das kleinste mit einer Durchschnitts-Schulterhöhe von etwa 2,60 Meter und einem Gewicht von etwa 4.000 bis 5.000 Kilogramm. Wir müssen aber berücksichtigen, dass bei Mammuts die männlichen Tiere erheblich größer als die weiblichen Tiere waren. Auch haben die männlichen Tiere größere, längere und mehr spiralförmig gekrümmte Stosszähne gehabt.

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Frage: Warum sind nach Ihrer Meinung die Mammuts ausgestorben?

Antwort: Das Aussterben von Großsäugetieren am Ende des Eiszeitalters wurde durch Klimaänderungen verursacht. Durch diese dramatischen Veränderungen ist die Umwelt des Mammuts verschwunden und damit auch das Mammut selbst.

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Frage: Kann man aus dem Erbgut von Mammut-Mumien ein Mammut wieder auferstehen lassen?

Antwort: Nein, ich bin davon überzeugt, dass die Wiederauferstehung des Mammuts unmöglich ist. Dafür bräuchte man intaktes Erbgut, und das ist im Dauerfrostboden Sibiriens nicht vorhanden.

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Frage: Gibt es falsche Meinungen über Mammuts?

Antwort: Ja, sehr viele. Erstens: es hat verschiedene Arten gegeben. Die Mammuts waren nicht sehr groß. Mammuts haben nicht alle sehr große Stoßzähne gehabt und sie haben vor allem nicht in Schnee und Eis gelebt. Mammuts haben die spätpleistozäne Mammutsteppe bewohnt. Mammuts sind wie Elefanten in Afrika sehr soziale Tiere gewesen.

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Frage: Sie haben oft an der Bergung von Mammuts teilgenommen, welche Entdeckungen werden Sie nie vergessen?

Antwort: Ich werde keine vergessen. Von allen Entdeckungen und Ausgrabungen werden viele Notizen gemacht, alles wird sehr gut dokumentiert. Darüber hinaus haben wir auch immer einen professioneller Fotografen mit dabei. Aber das 1998/1999 ausgegrabene Jarkov- Mammut hat einen großen Eindruck bei mir hinterlassen. Als wir anfingen, in der Eishöhle von Khatnaga auf der Taymir-Halbinsel im Arktischen Sibirien mit Heißluftgebläsen das Mammut aufzutauen, hat es sehr stark gestunken. Als ob man den Stall der Elefanten in einem Zoo betritt. Für mich war es ein herrlicher Geruch. So hat ein Mammut gerochen. Das war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

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Frage: Ist in den Niederlanden die Suche nach Mammut-Fossilien erlaubt?

Antwort: Ja, das ist erlaubt. Es gibt in den Niederlanden sehr viele Überreste von eiszeitlichen Großsäugetieren. Die kleinen Museen haben oft sehr große Sammlungen. Auch gibt es sehr viele Amateure, die sehr gut dokumentierte Sammlungen betreuen. 350 Sammler von eiszeitliche Säugetieren gibt es in diesem kleinen Land und auch noch sehr gut organisiert in der WPZ, der Arbeitsgruppe Pleistozäne Säugetiere, siehe http://www.pleistocenemammals.com

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Dick Mol mit Fossilfund aus der Nordsee. Foto: Rene Bleuanus

Frage: Beim Fischfang in der Nordsee werden immer wieder Knochen oder Zähne von Tieren aus dem Eiszeitalter in den Netzen entdeckt, welche Arten sind am meisten im Fundgut vertreten?

Antwort: Wir können verschiedene pleistozäne Faunen aus der Nordsee unterscheiden: Früh, mittel- und spätpleistozäne und auch frühholozäne Faunen. Es sind komplette Faunenlisten bekannt. Eine dieser Faunen möchte ich kurz erwähnen: Die spätpleistozäne Mammut-Fauna mit Tieren wie Wollhaar-Mammut, Wollhaar-Nashorn, Pferd, Steppenbison, Riesenhirsch, Rentier, Otter, Biber, Moschusochse, Höhlenlöwe, Säbelzahnkatze, Bär, Vielfraß, Fuchs, Hyäne, Hasen und viele andere.

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Frage: Besitzen Sie eine Sammlung von Mammut-Fossilien und welche Funde liegen Ihnen am meisten am Herzen?

Antwort: In meiner Privatsammlung, die eines Tages in einem Museum untergebracht werden soll, befinden sich über 20.000 Mammut-Teile. Nicht nur Knochen und Backenzähne, sondern auch Weichteile aus dem Dauerfrostboden Sibiriens und Nord-Amerikas. Dazu auch Überreste von anderen Tieren aus dem ganzen Eiszeitalter: Riesenhirsche, Rinder, Raubtiere, Antilopen und so weiter. In der Gefriertruhe liegt seit 1997 ein Pfund Mammutfleisch aus Sibirien. Das ist ein ungewöhnliches Fossil. Außerdem besitze ich Kot von Mammuts aus Nord-Amerika und Sibirien.

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Friedje Mol bei der Ausgrabung eines Mammutschädels in der Auvergne (Frankreich) 2008. Foto: Frederic Lacombat

Frage: Teilen Ihre Frau Friedje und Ihre zwei Kinder Ihre Begeisterung für Mammute?

Antwort: Ja, die kennen mich nicht anders als einen leidenschaftlicher Sammler und Untersucher. Darüber hinaus bin ich sehr oft im Ausland. Meine Frau Friedje geht öfters mit, war mit in Sibirien, auf den Channel Islands vor der Küste von Kalifornien, Patagonien und so weiter. Sie hatte das Erlebnis, ein komplettes Skelett von Mammuthus exillis auf Santa Rosa mit auszugraben. Das ist ein Zwerg-Mammut mit etwa 1,60 Meter Schulterhöhe. Meine Kinder sind schon längere Zeit selbstständig und wohnen nicht mehr daheim.

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Frage: Gibt es in den Niederlanden ein Museum, das besonders interessante Mammut-Funde zeigt?

Antwort: Ich kenne fast alle Mammut-Sammlungen auf der Welt. Das Naturhistorische Museum Naturalis in Leiden ist – was Mammute betrifft – das größte der Welt. Ich kenne die Sammlungen sehr gut. Die Sammlungen sind so umfangreich, dass wir vor 10 Jahren in der Lage waren, ein sehr schönes Mammut-Skelett daraus aufzubauen. Das Skelett ist jetzt der „Eye-Catcher“ des Museums.

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Frage: Sie sind einer der Autoren eines Buches über Säbelzahnkatzen, wie kam es dazu?

Antwort: Als wir einen Unterkieferast von einer Säbelzahnkatze in der Nordsee entdeckt haben und feststellten, dass es sich um die Gattung Homotherium aus dem Spätpleistozän (nur 28.000 Jahre vor heute) handelt, war die Hölle los. Keiner hatte gedacht, dass die Säbelzahnkatzen in Nordwest-Europa noch so lange vorkamen. Jetzt ist das weltweit akzeptiert. Es hat uns viel Arbeit und Energie gekostet, die Untersuchungen (darunter viele Vergleichsstudien im Ausland, sechs Radiocarbon-Altersdatierungen und verschiedene Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Publikationen) durchzuführen. Deshalb haben wir uns entschlossen, all unsere Erkenntnisse über diesen Sensationsfund in einem allgemein verständlichen Buch zu publizieren . Wenn ich den Besprechungen des Buches glauben darf, dann ist es gut gelungen. Es ist jetzt nicht nur in niederländischer, sondern auch in englischer Sprache erhältlich.

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Frage: Erhalten Sie in Ihrer Eigenschaft als Mammut-Experte viele Anfragen von Laien und anderen Experten?

Antwort: Ja, täglich und aus aller Welt. Heutzutage geht das dank des Internet ja sehr schnell. Es ist einfach, Adressen zu bekommen, wo man Fragen stellen kann. Im Durchschnitt habe ich etwa 20 bis 30 Nachfragen pro Tag. Mammute haben fast überall in der nördlichen Hemisphäre gelebt und ihre Überreste werden tagtäglich gefunden. Man möchte fast immer wissen, was haben wir denn da!

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Die Fragen für das Interview stellte der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst
http://wissenschafts-news.blog.de und
http://mammut-zeitung.blogspot.com

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Buch von Dick Mol in Deutsch:

Dick Mol / Christian de Marliave / Bernard Buigues: Mammutsuche in Sibirien.
Roseni Verlag, ISBN 3981046927
http://www.amazon.de/Mammutsuche-Sibirien-Dick-Mol/dp/3981046927